Was ist Musiktherapie

Ich erlebe mich im Austausch über das Thema Musiktherapie immer wieder mit der Vorstellung konfrontiert, zentrales Element dieser Therapieform sei das Anhören angenehmer Musik. Daraus erwächst oft die Vorstellung, Musiktherapie sei in erster Linie ein Entspannungsverfahren das die Wirkung der Musik auf Körper, Geist und Psyche positiv nutzt.
Diese Form der Musiktherapie wird zwar zur Stressreduktion, zum Angstabbau oder zur Schmerzlinderung erfolgreich eingesetzt, sie stellt jedoch nur einen sehr kleinen Teil im Spielraum meiner psychotherapeutischen Arbeit dar.

Musiktherapie ist vor allem ein psychotherapeutisches Heilverfahren durch das pathologische psychische Symptome bearbeitet und der Umgang des Klienten mit diesen Symptomen verbessert werden kann. Dabei finden die wissenschaftlich-theoretischen Grundlagen der Psychoanalyse, der Tiefenpsychologie, der Verhaltenstherapie und der systemischen Therapie ihre jeweils geeignete Anwendung.
Musiktherapie ist vor allem jedoch ebenso eine lebendige und aufgeschlossene Wissenschaftsdisziplin und somit sind Elemente der Ego-State Therapie, der Arbeit mit dem inneren Kind und der Achtsamkeit wichtige Bestandteile speziell meiner musiktherapeutischen Ausbildung und Arbeit.

Musik wird dabei sowohl aktiv gehört (rezeptive Musiktherapie) als auch aktiv vom Klienten – falls es diesem möglich ist – und vom Therapeuten erzeugt (Aktive Musiktherapie). Musik erzeugen meint in diesem Zusammenhang jegliche Form der Klang- und Geräuscherzeugung. Der Klient braucht dazu keinerlei musikalische Erfahrung oder Kenntnisse. Musiktherapie ist also kein Therapieverfahren für Musiker sondern für jeden Menschen.

Die triangulierte Beziehung zwischen Klient, Therapeut und Musik bildet die Basis der musiktherapeutischen Sitzung. Dabei übernimmt die Musik verschiedene Rollen:

– Kommunikation mit und ohne Sprache
– Projektionsfläche für Emotionen
– Schutz vor überwältigendem Erleben
– Strukturierung von Zeit und Raum

Vor allem für heilpraktische Therapeuten ohne psychotherapeutische Ausbildung ist es sinnvoll, nicht über den suggestiven Einsatz von Musik hinaus zu gehen. Wobei jegliche Form der manipulativen Einwirkung unbedingt vermieden werden sollte.